Die Untere Havelniederung im Jahreslauf

SingschwäneJanuar

Je nach Winter­witterung bleiben Tau­sende oder nur Hun­derte von nor­di­schen Gänsen hier (haupt­säch­lich Bläss­ und Weiß­wangen­gänse), auch die Zahl der über­wintern­den Sing­schwäne hängt stark vom Wetter ab. In milden Wintern kehren bereits die ersten Brand­gänse zurück und viele Grau­gänse, soweit sie über­haupt weg­gezogen sind.

Februar

Die ersten Brutvögel kehren zurück (Kranich, Grau- und Brand­gans, Feld­lerche). Immer mehr Enten (v. a. Krick‑, Schnatter‑, Spieß- und Pfeif­enten) machen Rast auf ihrem Heim­zug, ebenso viele Kie­bitze. In der zweiten Monats­hälfte treffen nach und nach Tau­sende heim­ziehender Bläss­gänse auf ihren traditio­nellen Rast­plätzen ein. Als erste Winter­gäste ziehen gegen Monats­ende die Sing­schwäne ab, und als einer der ersten Sing­vögel in der Feld­flur beginnt die Grau­ammer zu singen.

BlässgänseMärz

Ankunft von Rot­milan, Großem Brach­vogel, Rot­schenkel und Heide­lerche. Während die heimi­schen Kra­niche bereits ihre Reviere besetzen und zu brüten beginnen, rasten noch Hun­derte von nordi­schen Kra­nichen und Gold­regen­pfeifern und Tausende von Kiebitzen auf den Feldern. Die Zahl rastender Bläss­gänse erreicht ihren Höhe­punkt. Die ersten Grau­gänse brüten, am Gülper See rufen die Rohr­dommeln. In Auwald­tümpeln und über­schwemmten Wiesen sind jetzt überall die Gras- und Moor­frösche zu hören. Gegen Monats­ende kommen die ersten Rauch­schwalben, Weiß­ und Schwarz­störche, Fisch­adler, Schwarz­milane und Rohr­weihen an, und die nor­di­schen Gänse ziehen ab.

SchwalbenschwanzApril

Die ersten Grau­gans­fami­lien sind zu sehen, und die Frühjahrs­generation der Schwal­ben­schwänze fliegt. Auf dem Heim­zug in den hohen Norden rasten zahl­reiche Wat­vögel, u. a. auch der Kampf­läufer. Viele Zug­vögel kommen jetzt zurück, z. B. Fluss- und Trauer­see­schwalbe, Kuckuck, verschiedene Rohr­sänger, Braun­kehlchen, Nach­tigall, Schaf­stelze und Ortolan. An warmen Tagen sind die ersten Wasser­frösche, Kreuz­kröten und Knob­lauch­kröten zu hören.

Gefleckte HeidelibelleMai

Die Graugänse haben jetzt ihre all­jähr­liche Schwin­gen­mauser, während der sie völlig flug­unfähig sind. Der ele­gante Baum­weiß­ling fliegt und die ersten Früh­sommer­libellen: Spitzenfleck, Kleine Mosaik­jungfer und Keil­fleck­libelle. Die letzten Spät­heim­kehrer, wie Pirol und Neun­töter, treffen ein; der Wachtel­könig ruft in den feuch­ten Wiesen. An den Ufern und in Nass­wiesen beginnen die Gelben Schwert­lilien zu blühen, und an warmen Abenden ist die Luft voll vom Konzert der Wasser­frösche, Nach­ti­gallen, Rohr­sänger und Schwirle. Mit der Reife der Flug­samen von Weiden und Pappeln beginnen die Beutel­meisen ihre kunst­vollen Hänge­nester zu bauen.

Kleiner SchillerfalterJuni

Zahlreiche Libel­len sind jetzt zu sehen: Es ist die Haupt­flug­zeit von Ge­meiner Keil­jungfer, Kleiner Königs­libelle und Vier­fleck; in Massen fliegen die Blaue Feder­libelle und die Blut­rote Heide­libelle. In der Nähe von Pappeln oder Silber­weiden kann man mit etwas Glück den Kleinen Schil­ler­falter sehen. Während ihre Eltern all­mäh­lich wieder fliegen können, werden auch die jungen Grau­gänse flügge. An den Ufern und Gräben beginnen die Schwanen­blumen zu blühen.

Juli

Der Hoch­sommer ist die Zeit der Schmet­ter­linge, jetzt fliegen besonders viele Arten. Ansonsten ist dies eine eher ruhige Zeit: Für viele Vögel ist die Brut­zeit bereits zu Ende, andere haben inzwischen mit einer zweiten Brut begonnen. Auf dem Gülper See sammeln sich bereits viele Grau­gänse und die ersten Kraniche, der Durch­zug der Limi­kolen (Schnepfen­vögel) aus dem hohen Norden beginnt mit Grün­schenkel und Bruch­wasser­läufer. Die jungen Kraniche und Seeadler werden flügge, ebenso die ersten jungen Weiß­störche, und in den Dörfern ver­sammeln sich oft die jungen Rauch- und Mehl­schwalben aus der ersten Brut auf Leitungen und Dächern.

Ockerbindiger SamtfalterAugust

Der August ist der Monat der Heu­schre­cken – überall hört man sie jetzt zirpen. Auch viele Schmet­ter­linge sind noch unterwegs; als einer der spä­testen Tag­falter erscheint im Spät­sommer und Früh­herbst der wunder­schön gezeichnete Ocker­bindige Samt­falter in den Sand-Kiefern­heiden. Die jungen Weiß­störche ziehen gen Süd­westen oder ‑osten, wenig später gefolgt von den Alt­vögeln. Die Rast durch­ziehender Limi­kolen erreicht ihren Höhe­punkt, und am Gülper See treffen immer mehr Grau­gänse ein, auch einige hundert Kraniche über­nachten hier bereits.

Blauflüglige ÖdlandschreckeSeptember

Jetzt halten sich beson­ders viele Silber­reiher im Gebiet auf, vor allem am Gülper See, wo mittler­weile an die 10.000 Grau­gänse versam­melt sind; auch viele rastende Limi­kolen sind immer noch zu beob­achten, wie z. B. Sand­regen­pfeifer, Dunkler Wasser­läufer und Zwerg­strand­läufer. In der zweiten Monats­hälfte erscheinen bereits die ersten Saat- und Bläss­gänse, die mit ihren hellen Rufen zwischen dem tiefen und rauen Geschnatter der Grau­gänse gleich auffallen. Um diese Zeit sind die Saat­gänse unter den nordi­schen Gänsen noch in der Überzahl.

Oktober

Die Zeit der großen Vogel­schwärme ist da: Zehn­tausende von Saat- und Bläss­gänsen und Tausende von Kranichen rasten im Gebiet, dazu viele Hundert verschie­dener Enten; der abend­liche Einflug der Gänse und Kraniche am Gülper See ist ein über­wälti­gendes Erlebnis. Ein großer Teil der Grau­gänse zieht jetzt weg, je nach Witte­rung auch die ersten Kraniche.

Herbstrast der KranicheNovember

Der Zug der Kraniche ist in vollem Gang, an sonnigen Tagen sind immer wieder ihre klang­vollen Rufe zu hören. Zahl­reiche nordische Mäuse­bussarde (sowie einzelne Raufuß­bussarde und Korn­weihen) suchen auf Feldern und Wiesen nach Mäusen, und die ersten Sing­schwäne rasten auf dem Durchzug, während viele nordische Gänse schon wieder weiter­ziehen in mildere Gegenden weiter im Westen. Auf dem Gülper See rasten hunderte von Enten in zahl­reichen Arten, besonders Reiher‑, Tafel‑, Schell- und Pfeif­enten.

Dezember

Kornweihen und Raub­würger sind jetzt (und auch weiter­hin den ganzen Winter) regel­mäßig zu beobachten. Auf den über­schwemm­ten Wiesen (oder auch auf den Raps­feldern) erscheinen die ersten über­wintern­den Sing­schwäne, dazwischen manch­mal auch die viel selte­neren Zwerg­schwäne.