Aktuelles im 3. Quartal 2008

07.07.2008: Nachdem am Freitag mit einem Temperatur­sturz und kräftigem Regen die monate­lange sommerlich-warme bis heiße und weit­gehend trockene Wetterlage mit viel Sonnen­schein zu Ende ging, fliegen auch weiter­hin nur wenige Schmet­ter­linge. Einiger­maßen zahlreich sind nur Raps­weißling, Großes Ochsen­auge und Schach­brett­falter, während z.B. der sonst häufige Braune Feuer­falter bisher praktisch zu fehlen scheint. Die lange Trocken­heit sorgt auch für niedrige Wasser­stände, so dass z.B. am Südufer des Gülper Sees die bereits wieder durch­ziehenden Limi­kolen beobachtet werden können, insbesondere Grün­schenkel, Bruch­wasser­läufer und Kampf­läufer.

22.07.2008: Die vier Jung­störche auf dem Gülper Kirch­turm sind flügge, werden aber noch auf dem Horst gefüttert. Nun kann man sie oft über dem Dorf kreisen und manch­mal im schnellen Gleit­flug der Kirche zustreben sehen, wenn wieder ein Alt­vogel mit Futter ange­kommen ist. – Auf den Wiesen westlich des Gülper Sees versam­meln sich zur Zeit am frühen Abend viele hundert Grau­gänse unter lautem Geschnatter zum „Abend­essen“, zu denen sich später noch einige Dutzend Kraniche gesellen.

26.07.2008: Ähnlich wie bei den Saat­gänsen im Herbst oder den Bläss­gänsen im Frühjahr kommen jetzt in der Abend­dämme­rung viele hundert Grau­gänse zum Über­nachten an den Gülper See geflogen.

29.07.2008: In die südöst­liche Bucht des Gülper Sees (bei Prietzen) kommen inzwischen bereits an die 300 Kraniche zum Übernachten, dazu etwa 50 Silber­reiher.

Gemeine Sichelschrecke19.08.2008: Der August ist die hohe Zeit der Heu­schrecken. Auch bei diesen oft wärme­liebenden Insekten macht sich der Klima­wandel bemerkbar. So breitet sich die ursprüng­lich nur südlich verbreitete Gemeine Sichel­schrecke derzeit in bemer­kens­wertem Tempo nach Norden aus. Dieses heute beim Gülper See gefundene Weibchen ist vermutlich das erste im West­havel­land nach­gewiesene Exemplar. Unter­dessen ist die Zahl der am Gülper See rastenden Grau­gänse auf über 10.000 angestiegen.

25.08.2008: Ein Spazier­gang gegen Abend von Gülpe nach Norden ist zur Zeit recht interessant. Während immer wieder Gruppen von Grau­gänsen vom See zu ihren abend­lichen Äsungs­plätzen fliegen, halten sich auf den Wiesen neben einigen Grau­gänsen auch mehrere hundert Kraniche auf. Unter­dessen rasten auf den teil­weise abge­storbenen Silber­weiden an der Gülper Havel an die 100 Kormo­rane; auch die Fisch­adler nutzen die toten Äste gerne als Sitzplatz. Auf dem Gülper See übernachten inzwischen mindestens 800 Kraniche, anders als sonst aber nicht bei Prietzen, sondern beim Südufer westlich des großen Beob­achtungs­turms, von dem aus sie auch gut beobachtet werden können.

Kraniche09.09.2008: Durch den relativ niedrigen Wasser­stand sind am Südufer des Gülper Sees wieder breite Schlick­flächen entstanden – ideal für Limi­kolen, die denn auch recht zahlreich zu beob­achten sind; zur Zeit sind die Strand­läufer gut vertreten. Die Zahl der über­nach­tenden Kraniche liegt inzwischen etwa bei Tausend; an bestimmten Plätzen westlich und östlich des Sees sammeln sie sich gegen Abend, bevor sie endgültig zu den Schlaf­plätzen (mittler­weile wieder in der Prietzener Bucht) aufbrechen.

11.09.2008: Es ist wieder soweit: Die ersten nordischen Gänse sind da! Etwa 50 Saat­gänse kamen heute Abend zum Gülper See geflogen, während sich hier immer noch mindestens 10.000 Graugänse aufhalten. Die ersten Pfeif­enten und Spieß­enten sind auch bereits angekommen.

18.09.2008: Inzwischen übernachten bereits wieder etwa 2.000 Kraniche im Gülper See; die meisten vor der Land­zunge bei Prietzen und in den Schilf­buchten bei der Rhin­mündung. Der morgend­liche Aufbruch von den Schlaf­plätzen ist – noch mehr als der Einflug in der Abend­dämmerung – ein besonderes akustisches Erlebnis! Im Ostteil des Südufers sind auf den – dank niedrigem Wasserstand breiten – Schlick­flächen immer noch regel­mäßig Limikolen zu sehen; zur Zeit besonders Dunkler Wasser­läufer, Kampf­läufer, Alpen- und Zwerg­strand­läufer. Eine günstige Beob­achtungs­zeit ist morgens und vormittags, wenn die (nach wie vor viele tausend) Graugänse das Ufer noch nicht „besetzt“ haben.

21.09.2008: Dramatische Szenen auf dem Gülper See: Zwei junge Seeadler haben es geschafft, zwei Gänse aus der großen Schar zu isolieren, die nicht mehr recht­zeitig fliehen konnten und sich nun nur noch durch weg­tauchen retten können. Etwa eine Viertel­stunde lang kreisen die beiden über den Gänsen und versuchen immer wieder vergeblich, sie zu erwischen, bis sie schließ­lich unver­rich­teter Dinge weiter­fliegen. – Innerhalb weniger Tage sind nun mehrere Tausend (wohl mindes­tens 3.000) Saat­gänse eingetroffen, dazwischen auch bereits einzelne Bläss­gänse.

24.09.2008: Viele hundert Kraniche halten zur Zeit auf den abge­ernteten Mais­äckern zwischen Kietz und Strodehne (nördlich des Gülper Sees) „Nachlese“.

29.09.2008: Am Samstag konnten wir in der Abend­dämme­rung sehr viele Kraniche (grob geschätzt etwa 5.000) über dem Gülper See beobachten, die sehr unruhig lange Zeit hin und her flogen, bevor sie endlich, als es schon fast dunkel war, in der Prietzener Bucht niedergingen. Es wirkte so, als hätte sie irgend etwas beunruhigt, aber Stefan Fischer vom Landes­umwelt­amt Sachsen-Anhalt schrieb heute auf meine etwas besorgte Meldung in der Yahoo-Mailing­liste Orni-BB, dieses Verhalten sei „sehr typisch für gerade frisch in den Rast­gebieten ange­kommene Vögel“.